Congressman Jerry Costello strebt keine Amtszeit mit der Nummer 12 an
Von Wolfgang Stüken
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Sagt Washington im Januar 2013 ade: Jerry Costello.
Foto: United States House of Representatives
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Für
die politische Vertretung der Paderborner US-Partnerstadt Belleville bahnt sich
eine bedeutende personelle Veränderung an: Jerry Costello, langjähriger
Kongressabgeordneter in Washington, hat am 4. Oktober 2011 angekündigt, bei den
im November 2012 anstehenden Neuwahlen nicht erneut zu kandidieren.
Seit 1988 vertritt der 62-jährige Abgeordnete der Demokraten den 12.
Kongress-Wahlbezirk von Illinois, der sich über zehn Kreise bzw. Teile dieser
Counties im südlichen Teil dieses Bundesstaates erstreckt. Nicht weniger als elf
Mal hat ihn die Mehrheit der Wähler dieser Region als Abgeordneten in die
Haupstadt geschickt. Häufigere Wiederwahlen können nicht viele Parlamentarier
der US-Hauptstadt vorweisen. Neben Belleville gehören unter anderem die Städte
East St. Louis, Alton und Carbondale zu Costellos Distrikt.
Bereits wenige Tage nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden zwischen
Paderborn und Belleville auf amerikanischer Seite hatte Jerry Costello im Herbst
1991 in Washington eine Delegation des Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises
auf den Stufen des Kongresshauses begrüßt.
Die Amtszeit des dienstältesten demokratischen Abgeordneten des Staates Illinois
endet im Januar 2013. US-Präsident Barack Obama würdigte Jerry Costello nach
dessen Ankündigung des Abschieds aus dem Kongress als „leidenschaftlichen
Anwalt“ für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur des Landes und zielte damit
insbesondere auf Costellos Arbeit im Kongressausschuss (Committee) für Transport
und Infrastruktur ab.
So hatte der Belleviller entscheidenden Anteil daran, fast 240 Millionen
US-Dollar Bundesmittel für den Bau einer weiteren großen Mississippi-Brücke zu
sichern, die den Kreis St. Clair und die Kreisstadt Belleville demnächst mit St.
Louis (Missouri) verbinden wird. Mit Erfolg verhinderte der „Congressman“ in den
Jahren 1995 bis 2005 mindestens zweimal, dass die Belleviller Scott Air Force
Base, größter Arbeitgeber im südlichen Illinois, einer Neustrukturierung von
Standorten der US-Streitkräfte geopfert wurde. Dass in der unmittelbaren
Nachbarschaft dieses Luftwaffenstützpunktes der zivile Midamerica-Airport gebaut
werden konnte, wäre ohne seinen Einsatz kaum möglich gewesen.
Das moderne Schienen-Nahverkehrssystem „Metrolink“, das den internationalen
Lambert-Airport mit der Innenstadt von St. Louis, der Metropole des Mittleren
Westens, verbindet, wurde vor einigen Jahren über den Mississippi nach
Belleville in den Kreis St. Clair ausgedehnt. Auch das zählt zu Costellos
Erfolgen.
Kaum hatte Jerry Costello den Verzicht auf die Kandidatur für eine weitere
zweijährige Amtszeit im US-Kongress bekannt gegeben, begann in Belleville die
politische Diskussion, wer in seine Fußstapfen treten könnte. Tom Holbrook,
Abgeordneter (State Representative) im Parlament des Bundesstaates Illinois in
Springfield, wird als möglicher Nachfolger genannt. Aber auch dem frühren
Belleviller Bürgermeister Mark Kern, seit Ende 2004 Chef der Kreises St. Clair (County
Board Chairman), werden Ambitionen nachgesagt. Auch Jerry Costello hatte dieses
wichtige Amt an der Spitze des Kreises St. Clair inne, bevor er 1988 ins
Kongresshaus gewählt wurde.
Denkbar ist auch, dass die Demokratische Partei Holbrook für den Kongress und
Kern als dessen Nachfolger für das Landesparlament in Springfield aufbieten
könnte. Aber auch auf Seiten der Republikaner hat die Kandidatensuche begonnen.
Chancen, von seiner Partei für den Kongress nominiert zu werden, rechnet sich
unter anderem der in Paderborn ebenfalls nicht unbekannte Roger Cook aus. Er war
von 1993 bis 1997 Belleviller Bürgermeister.
Präsident Barack Obama betonte in seiner Reaktion auf Costellos Ankündigung, er
möchte sich dem Dank der Menschen von Illinois für den Einsatz dieses
Kongressabgeordneten anschließen – er sagte es ausdrücklich auch im Namen der
„First Lady“ Michelle Obama. Costello seinerseits bekannte, er werde die
Menschen, mit denen er in seinen Jahren als Kongressabgeordneter zu tun hatte,
vermissen – das wöchentliche Pendeln zwischen Belleville und Washington
allerdings weniger. Zwischen beiden Städten liegen mehr als 800 Meilen oder
1.400 Kilometer.
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