„Es ist wunderbar, Teil dieser
Verbindung zu sein“
DAFK-Delegation feiert in der Partnerstadt
Belleville
das 20-jährige Bestehen der Städtefreundschaft
– eine USA-Reise mit vielen Erlebnissen
Von Wolfgang Stüken

Partnerschaft bekräftigt:
DAFK-Präsident Bernd Broer, Bellevilles State Representative Tom
Holbrook und BSC-Präsident Tom Heiting (von links).
Foto: Stüken
Er kenne in seinem Amtsbereich „keine besser
funktionierende Städtepartnerschaft“. Mit diesen Worten gratulierte
Lansing G. Hecker (St. Louis), Honorarkonsul der Bundesrepublik
Deutschland für den US-Bundesstaat Missouri und den Süden des
Nachbarstaates Illinois, zum 20-jährigen Bestehen des
Städtebündnisses zwischen Belleville und Paderborn. Hecker war
Ehrengast der 20-Jahr-Feier dieser „Freundschaft über den großen
Teich“, die anlässlich des Besuches einer Gruppe des
Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises Paderborn-Belleville von der
US-Partnerorganisation Belleville Sister-Cities (BSC) ausgerichtet
und mit einem feinen Dinner im St. Clair Country Club begangen
wurde. Der Festabend bildete den Schlussakzent der an Höhepunkten
reichen USA-Reise der 20 Paderborner.
„Das ist Zukunft“, lobte Hecker den florierenden
Schüler- und Jugendaustausch zwischen beiden Städten. „Je mehr wir
einander verstehen lernen, desto größer ist die Chance, zu einem
weltweiten Frieden zu gelangen“, unterstrich BSC-Präsident Tom
Heiting die Bedeutung internationaler Städtepartnerschaften. Das
Band der sehr vitalen Freundschaft zwischen Belleville und Paderborn
verkörpere „eine großartige Verbindung“.
Eine große Fahne in den Paderborner Stadtfarben
dominierte die Dekoration des Saales, in dem das Lakeshore String
Quartett, ein Streicherensemble der Belleville Philharmonic Society,
für die festliche musikalische Untermalung der 20-Jahr-Feier sorgte.
Mehr als 100 Gäste nahmen teil. Die Belleville Philharmonic Society,
einst von deutschen Auswanderern mit begründet, schaut auf eine
Tradition zurück, die bis in das Jahr 1866 zurück reicht. Sie kann
nach den New Yorker Philharmonikern das zweitälteste, kontinuierlich
arbeitende Orchester der gesamten Vereinigten Staaten vorweisen.
Der Belleviller Landtagsabgeordnete (State
Representative) Tom Holbrook überraschte die Festversammlung mit
einer Erklärung des House of Representatives in Springfield, der
Hauptstadt von Illinois, mit der die auf diesen Festsonntag (15.
Mai) folgende Woche als „Belleville-Paderborn Sister City
Partnership Week“ ausgerufen wurde.

Eine Holzarbeit mit dem
Drei-Hasen-Motiv
als Gastgeschenk der Stadt Paderborn für Belleville:
Der Bürgermeister der Partnerstadt, Mark Eckert (Mitte),
mit den Präsidenten der beiden Partnerschaftsorganisationen,
Bernd Broer (links), und Tom Heiting (rechts).
Foto: Allendorf
Bellevilles Bürgermeister Mark Eckert,
Ehrenvorsitzender von Belleville Sister-Cities, wünschte der
Partnerschaft mit Paderborn „viele weitere Jahre“. Es sei
„wunderbar, selbst ein Teil dieser Verbindung zu sein“, erinnerte
Eckert an seinen ersten Paderborn-Besuch zum Liborifest 2008 und
versprach: „Ich komme wieder.“ Seit seine Tochter Kate 2006 im
Rahmen des Jugendaustausches erstmals zu Gast in Paderborn gewesen
sei, habe er die heute 19-Jährige buchstäblich an die Partnerstadt
„verloren“, bekannte Paderborn-Fan Eckert. Im Privathaus von Mark
und Rita Eckert durften seitdem schon zahlreiche Paderborner –
einige zum wiederholten Male – amerikanische Gastfreundschaft
genießen. Auch diesmal wieder. Eckert: „Die Welt ist kleiner
geworden durch diese lebendige Freundschaft.“
Dottie Brauer (80), Gründungspräsidentin von
Belleville Sister Cities und Ehrenmitglied des DAFK, erinnerte an
eine Autofahrt mit ihrem Ehemann Richard (1928-2004), dem
langjährigen früheren Bürgermeister von Belleville (1979-1993).

Erzählte aus der Vorgeschichte der Partnerschaft:
Dottie Brauer, Gründungspräsidentin von Belleville Sister Cities.
Sie erhielt am Festabend einen großen Blumenstrauß.
Foto: Stüken
Sie
seien im Jahre 1980 als geladene Gäste dabei gewesen, als Waterloo
im Belleviller Nachbarkreis Monroe County eine Städtepartnerschaft
mit dem ostwestfälischen Porta Westfalica besiegelte, Als sie auf
dem Rückweg von jener Feier angeregt habe, Belleville solle doch
auch Ausschau nach einer deutschen Partnerstadt halten, habe die
Antwort ihres Mannes gelautet: „You’re right, Dottie – Du hast
recht.“
Und
Richard Brauer ernannte kurzerhand die eigene Ehefrau zur
Vorsitzenden eines Komitees, das auf die Suche gehen sollte. . .
Eine großartige Freundschaft zwischen zwei Städten und zwischen
Menschen in Belleville und Paderborn sei daraus erwachsen, schaute Dottie Brauer zurück.
Zu Ehrenmitgliedern des Deutsch-Amerikanischen
Freundeskreises ernannt:
Bob und Ruth Fritz. Rechts DAFK-Präsident Bernd Broer.
Foto: Allendorf
Richard und Dottie Brauer auf amerikanischer und der
frühere Bürgermeister Wilhelm Lüke und Ellen Rost als erste
Präsidentin des DAFK auf Paderborner Seite hätten die Grundlagen für
diese Städtepartnerschaft gelegt, stellte Freundeskreis-Präsident
Bernd Broer heraus. Er wurde im Laufe der 20-Jahr-Feier mit dem
diesjährigen Herman-Award, dem nach dem Hermanns-denkmal benannten
Preis von Belleville Sister Cities, ausgezeichnet. Aber auch der
DAFK wartete mit einer Ehrung auf: Ruth Fritz, 1998/99
BSC-Präsidentin und ihr Ehemann, der Unternehmer Bob Fritz, beide
unermüdliche Förderer der Städtefreundschaft und häufig zu Besuch in
Paderborn, wurden von Bernd Broer unter viel Applaus zu
Ehrenmitgliedern des DAFK ernannt. Bob Fritz, ein Großer unter den
Bier-Großhändlern im südlichen Illinois, ist seit zwei Jahrzehnten
ein Garant dafür, dass ein Partnerschaftstreffen in Belleville
niemals als trockene Angelegenheit verbucht werden muss.

Ein Lied von Libori und den Paderborner Temperaturen im Sommer:
Die Sängerschar von Belleville Sister Cities
trat unter der großen Paderborner Stadtfahne auf.
Foto. Stüken
Eine Reihe von Gastgeschenken wurde an diesem
Jubiläumsabend ausgetauscht. Erich Löwe, Schatzmeister des DAFK,
hatte als Aufmerksamkeit für die amerikanischen Gäste
Erinnerungsmedaillen mit dem Signet der 20jährigen Partnerschaft
prägen lassen. Mitglieder von Belleville Sister Cities formierten
sich zu einem Chor, um ein Lied auf diese Städtefreundschaft zu
singen. Augenzwinkernd plädierte die Belleviller Sängerschar, auf
schweißtreibende sommerliche Libori-Erfahrungen anspielend, für
künftige Paderborn-Besuche in kälterer Jahreszeit – solange
jedenfalls, bis die Partnerstädter ausnahmslos mit Klimaanlagen
ausgestattet seien. Frei von jedweden klimatechnischen Anspielungen
dagegen der Liedvortrag der Paderborner Gäste, der – nicht minder
fröhlich – ganz auf den Wonnemonat abgestellt war. ,,Der Mai ist
gekommen,“ schallte es durch den St. Clair Country Club.
Zu den Anekdoten des Jubiläumsabends gehört diese
Schilderung Karl Mandls. Der gebürtige Österreicher war 2002/03
Präsident von Belleville Sister Cities. „Ich werde 80 sein, wenn ich
aus dem Amt scheide“, schilderte Mandl die Bedenken, die er vor
seiner Wahl geäußert hatte. Doch die Antwort aus dem Kreis der
BSC-Mitglieder habe nur gelautet: „Und wie alt wirst Du sein, wenn
Du dieses Amt nicht annimmst?“
Manchmal sind Freude und Trauer enge Nachbarn. An
diesem Abend wurde des verstorbenen Dennis Bielke gedacht, der
wenige Tage vor der Ankunft der Paderborner mit 67 Jahren einem
schweren Herzleiden erlegen war. Auch eine komplizierte Operation
hatte sein Leben nicht retten können. Der pensionierte Bänker, im
Ruhestand zum Hochschuldozenten avanciert, war häufig in Paderborn
zu Gast. In die Geschichte von Belleville Sister Cities wird er als
großer Ideen- und humorvoller Gastgeber eingehen. Bis zu seinem Tod
fungierte er als Schatzmeister von BSC. Auch in der Belleviller
Wallfahrtsstätte „Our Lady of the Snows“ hatte er lange Jahre ein
Vorstandsamt ausgeübt. Auf dem Gelände des Wallfahrtsortes wird zur
Erinnerung an Dennis Bielke – auch mit Unterstützung des DAFK – ein
Baum gepflanzt.
Wenn Paderborner die US-Partnerstadt besuchen,
drängt es sich förmlich auf, einen Abstecher in das kleine, wenige
Meilen von Belleville entfernte amerikanische Paderborn zu
unternehmen. In der Kirche der 250-köpfigen Pfarrei St. Michael
erlebte die Gruppe zum Auftakt des Sonntagsgottesdienstes eine
besondere Begrüßung. Als hätten die Pfeifen der Orgel, gespielt vom
musikbegeisterten Pfarrer Jim Voelker, an diesem Tag ihr Letztes
geben müssen: Mächtig schallte der Liboritusch durch den Kirchenraum
des 1861 eingeweihten kleinen Gotteshauses. 2007, beim letzten
Besuch einer Paderborner Delegation, hatte Landrat Manfred Müller
dem Pfarrer von St. Michael den auf seinem Handy gespeicherten
Liboritusch vorgespielt – und ein Versprechen gehalten. Wieder
daheim, schickte Müller die Noten dieser Hymne nach Paderborn,
Illinois, das Stadtteil von Waterloo (Monroe County) ist.

Erfreut über das Wiedersehen in
Paderborn, Illinois:
DAFK-Geschäftsführer Dr. Otmar Allendorf, Pfarrer Jim Voelker
und Präsident Bernd Broer (von links).
Foto: Stüken
„Sie müssen unbedingt zum Liborifest kommen“,
ermunterte DAFK-Präsident Bernd Broer den Seelsorger, der am
liebsten gleichzeitig die Messe zelebrieren, seinen Kirchenchor
dirigieren und dazu die Orgel spielen würde. „Wir würden ihn gar
nicht gehen lassen“, lautete die Reaktion von umstehenden
Gemeindemitgliedern. Sie wissen nur zu gut, dass Jim Voelker (67),
ihr beliebter Seelsorger, der offiziell bereits pensioniert ist,
sicher der letzte eigene Pastor dieser kleinen Gemeinde sein wird.
Denn auch in der Diözese Belleville hat der Priestermangel längst
zur Bildung größerer Seelsorge-Einheiten geführt. Erster
hauptamtliche Priester von St. Michael war von 1861 bis 1863 Wilhelm
Busch, der vermutlich aus dem heutigen Bad Wünnenberger Stadtteil
Fürstenberg und damit aus dem Bistum Paderborn stammte. Er war es,
der den kleinen Ort, in dem sich mehr als 40 deutsche
Auswandererfamilien angesiedelt hatten und der bis dahin „German
Settlement of Prairie du Long“ hieß, in Paderborn umbenannte.
Im Pfarrsaal (Parish Hall) von Paderborn, ein paar
Schritte von der Kirche entfernt, wurde den Gästen und ihren
Belleviller Gastgebern und Betreuern nach dem Sonntags-Gottesdienst
von Gemeindemitgliedern ein üppiges Frühstücksbüffet geboten –
deftiges Sauerkraut inklusive. Gefrühstückt wurde derweil auch in
der Partnerstadt Belleville. Dort versammelten sich die 105
Künstler, die am diesjährigen Innenstadt-Festival „Art on the
Square“ teilnahmen, vor der Öffnung ihrer weißen Ausstellungszelte
zu einer gemeinsamen Morgen-Mahlzeit. Unter ihnen Wolfgang Brenner
aus Paderborn. Für ihn wurde das Künstler-Frühstück mit der
Nachricht gekrönt, dass er zu den Preisträgern des diesjährigen
Festivals zählte. Die Jury des Belleviller Rotary-Clubs hatte ihm
die mit 1.000 Dollar dotierte Auszeichnung dieser Vereinigung
zuerkannt.
Während das preisgekrönte Werk Brenners aus seiner
Siebdruck-Serie „Saskia“ mit dieser Prämierung automatisch in den
Besitz der Stadt Belleville wechselte, konnte sich Brenner am Vortag
dieses regenreichen Sonntags auch über den Verkauf eines seiner
ausgestellten Werke freuen.
Stippvisite von Mitgliedern der Paderborner
Gruppe am Ausstellungszelt des Paderborner „Art on the
Square“-Teilnehmers:
Mit Künstler Wolfgang Brenner (5. von links)
Hier gibt
es mehr über Wolfgang Brenner auf „Art on the Square“.
Dass dieses weit über Illinois hinaus beachtete
Festival für die Stadt, die auf die Zahl von 50.000 Einwohnern
zustrebt, ganz sicher kein zu großer Schuh ist, erlebten die
Paderborner am Morgen vor der Festival-Eröffnung. Bürgermeister Mark
Eckert hatte sie zur Enthüllung eines Kunstwerkes in der Grünanlage
einer innenstadtnahen Kreuzung geladen. Wer den Namen „Delilah“ bis
dahin nur aus Songs von Tom Jones oder Peter Alexander kannte,
lernte hier eine leibhaftige Delilah kennen.
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Radiomoderatorin Delilah Rene, deren
Hörertelefon aus den gesamten USA angewählt wird, um
Kummer oder Freude und einen dazu passenden Musikwunsch
los zu werden, hatte im Herbst 2010 in ihrer Sendung zu
einer Verschönerungsaktion für die Belleviller City
aufgerufen. Belleville hatte unter mehr als 100
Bewerberstädten den Zuschlag erhalten. Gemeinsam mit
vielen Freiwilligen der Partnerstadt trat Delilah an,
einen Tag lang mit Pinsel und Farbe 65 älteren Gebäuden
der Innenstadt zu einem freundlicheren Aussehen zu
verhelfen. Als sichtbares Dankeschön für Delilah
enthüllte Mark Eckert an diesem Morgen einen von einem
Künstler aus Milwaukee geschaffenen mehr als zwei Meter
hohen überdimensionalen roten Schuh – Anspielung auf die
Produktionsfirma Big Shoes Productions der Moderatorin,
die ihren Sitz in Seattle hat. Dass die begeisterte
Delilah („Welche Freude!“) zu diesem Ereignis
selbstverständlich in rote Schuhe geschlüpft war, war
live im regionalen Fernsehkanal aus St. Louis zu sehen.
Mark Eckert nutzte die Sendung, um noch einmal kräftig
für „Art on the Square“ zu trommeln. Höchst zufrieden
nahm er sich nach getaner Enthüllung eine Menge Zeit für
die Gäste aus Paderborn. |
Zeigt her Eure Schuh’:
Radio-Talkerin Delilah, Bürgermeister Mark Eckert
und Bernd Broer nach der Enthüllung des
roten
Kunstwerks.
Foto: Stüken |

Drei Unterschriften:
Die Proklamation zum 20. Jahrestag der Unterzeichnung
der Partnerschaftsurkunden.
Während Radio-Talkerin Delilah an diesem Tag noch
für ein junges Paar aus Belleville als Eheanbahnerin gefordert war,
hieß Eckert die Besucher offiziell im Sitzungssaal des Rathauses
willkommen. Gemeinsam mit Bernd Broer, der als Gastgeschenk eine
Arbeit mit Paderborn-Motiven von Herman Reichold überreichte, und
Tom Heiting unterzeichnete Eckert eine Proklamation zum 20.
Jahrestag, mit der die Städtepartnerschaft feierlich bekräftigt
wurde.
Erste Station der anschließenden Stippvisiten in
Belleviller Sehenswürdigkeiten war die Bischofskirche St. Peter –
„die größte Kathedrale von ganz Illinois“, wie deren Pastor John
Myler herausstellte. Das Labor and Industry Museum vermittelte
Einblicke in Bellevilles wirtschaftliche Vergangenheit als
Industriestandort für den Bau eiserner Öfen und die Herstellung von
Ziegeln, Glas und Zigarren. Aber auch der frühere Kohle-Tagebau in
der Gegend um Belleville wird eingehend beleuchtet.
Nicht weit entfernt das Körner-Haus. Hier, an der
Mascoutah Avenue/Ecke Abend Street, verbrachte der ehemalige
Frankfurter Wachenstürmer Gustav Körner (1809-1896) nach seiner
Flucht aus Deutschland viele Jahre seines Lebens.
 |
Von hier führte die politische
Karriereleiter in den USA den Belleviller Rechtsanwalt ins
oberste Gericht des Bundesstaates und zur Position des
Vize-Gouverneurs von Illinois. Vielleicht hat sein Freund
Abraham Lincoln, der spätere US-Präsident, der ihn während
des Bürgerkrieges als Botschafter nach Spanien sandte, ihn
in diesem Haus besucht. Molly McKenzie, Chefin des Komitees,
das die Restaurierung des Körner-Hauses vorantreibt,
begrüßte die Paderborner zur ersten offiziellen Führung
durch das Haus, das voraussichtlich im Belleviller
Jubiläumsjahr 2014 (200 Jahr-Feier der Stadt) als
Körner-Museum eröffnet werden soll. Inzwischen wurde ein Nachbargebäude
erworben, das als Besucherzentrum mit Parkplätzen
herge-richtet werden soll. |
|
Vor dem Körner-Haus: Bellevilles
Stadtoberhaupt Mark Eckert, DAFK-Geschäftsführer Dr. Otmar
Allendorf, Molly McKenzie vom Körner-Haus-Komitee und Andy
Gaa von Belleville Sister Cities.
Foto: Stüken |
Mehr über ehemaligen Revolutionär Gustav Körner:
www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=300
de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Körner
Körner spielte auch im ersten Teil der Reise eine
Rolle. Seine 1842 in Belleville geborene Tochter Augusta hatte 1899
den Richter Roderick E. Rombauer aus St. Louis geheiratet.
Nachfahren dieser Familie betreiben heute einen stattlichen
Weinbaubetrieb im berühmten Napa Valley in der Nähe von San
Francisco.

Hier lassen Körners Nachfahren edle Tropfen
reifen: Blick in den Weinkeller der „Rombauer Vineyards“ in St.
Helena im kalifornischen Napa Valley. Foto: Stüken
Dorthin führte von San Francisco ein Ausflug der
Paderborner Reisegruppe. Die Rombauers sind so stolz auf ihren
berühmten Belleviller Vorfahren Gustav Körner, dass sie dessen
Nachnamen zu ihrem Vornamen gemacht haben. Seniorchef Koerner
Rombauer II ließ für die Paderborner auf der Terrasse seines
Wohnhauses eine große Tafel decken, um den Gästen einen feinen Lunch
zu servieren. Sohn Koerner Rombauer III kredenzte dazu Kostproben
edler Tropfen aus eigener Produktion. In den unterirdischen
Weinkellern, die als Stollensystem in den Berg gefräst wurden,
lagern und reifen in Eichenfässern Chardonnay, Merlot, Zinfandel und
Cabernet Sauvignon. Die mehr als 700.000 Flaschen, die in den
„Rombauer Vineyards“ jährlich abgefüllt werden, finden sich auf der
Weinkarte edler Restaurants in den gesamten USA.

Gastgeber und eine Freundin mit
Wurzeln in Westfalen:
Koerner Rombauer III, Inge Heinemann, geb. Broermann, und Koerner
Rombauer II. Sie tragen die Paderborner Erinnerungsmedaille an das
20-jährige Partnerschaftsjubiläum von Paderborn und Belleville.
Foto: Stüken

Der DAFK bedankte sich bei den Rombauers für die Gastfreundschaft
mit einem gläsernen Wappen der Stadt Frankfurt am Main, der
Geburtsstadt Gustav Körners.
Zur Begegnung mit den Paderbornern hatten die
Rombauers eine alte Freundin der Familie eingeladen. Die Welt ist
bekanntlich nicht sehr groß – Inge Heinemann, geborene Broermann,
wurde 1935 in Anröchte im heutigen Paderborner Nachbarkreis Soest
geboren. Nach der Mittleren Reife auf einer Lippstädter Schule
folgte sie 1952 einem Onkel, der bereits in den 1920er Jahren in die
USA ausgewandert war, nach Kalifornien. Inge Heinemann freute sich,
mit den Besuchern aus Paderborn wieder einmal in ihrer Heimatsprache
plaudern zu können. Zur jüngeren Schwester, die in Anröchte lebt,
hat sie regen Kontakt. Inge Heinemann hat in San Francisco einen
Deutschamerikaner geheiratet. Mit ihren vier Kindern zog die Familie
später nach St. Helena ins Napa-Tal, „weil es hier auf dem Land
bessere Schulen gab“. Mit dem Rombauers, die 1972 aus Südkalifornien
ins Napa Valley übersiedelten und hier mit dem Weinanbau begannen,
sei sie „vom ersten Tag an befreundet“, schilderte Inge Heinemann.
Gastgeber Koerner Rombauer II, der früher
Berufspilot war, stellte den Paderbornern auch seine wertvolle
Sammlung von Oldtimer-Autos vor. In seinem Wagenpark steht ein
Mercedes Benz SL 300 Coupé, Baujahr 1955, das einmal der
Schauspielerin Sophia Loren gehörte.
Abseits üblicher touristischer Pfade lauschte die
DAFK-Gruppe in San Francisco in der Davies Hall einem Konzert des
San Francisco Symphony-Orchesters. 200 Mitwirkende in Chor und
Orchester ließen Mahlers zweite Sinfonie zu einem gewaltigen
Hörerlebnis werden. Auch die öffentlichen Dachgärten von Hochhäusern
der Innenstadt, die mit Stadtführerin Ulla Kaprielian besucht
wurden, zählen nicht unbedingt zum touristischen Standardprogramm
für „SF“.
Begegnung
in der Glücksspiel-Stadt: Die Reisegruppe traf Edelgard Musicaro
(Mitte), die Mitglied des DAFK ist und seit Jahren in Las Vegas
lebt. Foto: Allendorf
Auf dem Weg Richtung Belleville lockte Las Vegas als
zweitägiger Zwischenstopp. In der Stadt in der Wüste von Nevada, die
sich vom Glückspiel- zum Einkaufsparadies und – aufgrund der immer
noch wachsenden Hotelkapazitäten – auch zum stark nachgefragten Ort
großer Konferenzen weiterentwickelt, wartete ein für manche
Mitglieder der Reisegruppe vertrautes Gesicht auf die Paderborner:
Edelgard Musicaro, geb. Freitag, Mitglied des DAFK, lebt seit Jahren
in Las Vegas. Sie stammt aus Halle in Westfalen, besuchte das
Gymnasium auf der Brede, nachdem ihr Vater beruflich nach Brakel
versetzt worden war. 1956 wanderte sie in die USA aus, heiratete
dort ein Jahr später einen Zahnarzt, der im Rang eines Colonels im
Dienste der US-Army stand. Mit ihm lebte sie an Standorten der
US-Truppen in der ganzen Welt, bevor sie in der Stadt des
Glücksspiels sesshaft wurde.

Sind befreundet:
Die Paderbornerin Marieluise Hoyle (links)
und Edelgard Musicaro. Foto: Allendorf
Über Las Vegas, wo Hotelbauten der jüngeren Zeit die
Handschrift weltbekannter Architekten tragen, wusste Edelgard
Musicaro eine Menge zu erzählen. Sie begleitete die Paderborner zur
abendlichen „Jubilee“-Show im Hotel Bally’s, die mit einem
Großaufgebot an Tänzern und Tänzerinnen – letztere in prachtvollen
bis spärlichen Kostümen – begeisterte. Das Pariser „Lido“ ließ
grüßen.
Und dann lockte der Mittlere Westen: Die Belleviller
Freunde bereiteten den Paderbornern einen herzlichen Empfang und
sorgten für ein rundes Programm in der Partnerstadt, Ausflüge an den
Hochwasser führenden Mississippi und nach St. Louis inklusive.
Für Tom Heiting, den amtierenden Präsidenten von
Belleville Sister Cities, heißt es bald Abschied zu nehmen von der
Paderborner Partnerstadt. Ihn und seine Gattin Gail zieht es zu den
elf Enkelkindern, die in Wisconsin leben. Sie wollen ihr Belleviller
Haus verkaufen. Paderborn aber bleibt eines ihrer künftigen
Reiseziele. Als bereits gewählter Nachfolger (President Elect) an
der Spitze der Partnerorganisation BSC steht Jerry Reilmann bereits
in den Startlöchern. Er unterstützte Heiting und die mit für das
Belleville-Programm verantwortlichen früheren Präsidenten Norma
Bergkoetter, Ruth Fritz, Doris Roach und Rich Berkel nach Kräften.
„Lasst uns weiter bauen an dieser Freundschaft“, lautete Heitings
Abschiedswunsch. Vielleicht hält er es mit der
BSC-Gündungspräsidentin Dottie Brauer, die heute – ebenfalls in der
Nähe von Verwandten – in Missouri lebt. Immer, wenn eine
Besuchergruppe aus PB kommt, kehrt sie für ein paar Tage nach
Belleville zurück. Diesmal hatte sie ein besonderes Geschenk für
Bürgermeister Mark Eckert dabei: Dokumente aus der Vorgeschichte der
Partnerschaft mit Paderborn. Bei einem der Papiere handelt es sich
um eine Liste deutscher Städte, die für Belleville als Partner in
Frage kamen. Sie stammt aus dem Jahre 1981 und ist damit 10 Jahre
älter als die Städtepartnerschaft. Bad Kreuznach steht auf dieser
Liste, Baden-Baden, Bingen, Bückeburg – aber schon damals, auf
dieser ersten Belleviller Wunschliste, war auch eine Stadt namens
Paderborn aufgeführt.

Lambert-Airport St. Louis:
Der Tag des Rückflugs ist gekommen.
Die Belleviller Gastgeber winken zum Abschied der Paderborner
Delegation,
der künftige Präsident Jerry Reilmann (4. von links) sogar mit
beiden Händen.
Foto: Allendorf
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