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Überwacht vom FBI

Am 14. Dezember Vortrag über die Amerika-Jahre des „Fliegenden Paters“ Paul Schulte im Vorfeld und während des Zweiten Weltkriegs

Das hätte schlimmer enden können. Bodennebel auf der zugefrorenen James Bay im hohen Norden Kanadas führte 1938 dazu, dass der erfahrene Pilot im Priesterrock eine Bruchlandung auf dem Eis hinlegte. Paul Schulte (1895-1974), der als „Fliegender Pater“ bekannte Missionar, blieb zum Glück unverletzt. Aber die Schneekufen seines einmotorigen Flugzeugs „Lucas“ zersplitterten. Doch das Jahr 1938 sollte noch weit schlimmere Schicksalsschläge für Pater Schulte bereit halten.

Bruchpilot: Pater Paul Schulte nach der unsanften Landung auf dem Eis der kanadischen James-Bay im Jahre 1938. Hier wird sein Flugzeug „Lucas“ gerade notdürftige repariert. Der „Fliegende Pater“ kann schon wieder lachen. Bald aber sollten die Zeiten für den Missionar ungemütlicher werden.

Foto: DAFK/Archiv Stüken
 

 

Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte ihn ein Männerbund protestantischer irischer Kanada-Einwanderer mit dem Namen „Orangemen“, der durch große Feindseligkeit gegenüber Deutschen und Katholiken hervortrat, zur Zielscheibe heftiger Angriffe: In einer von den „Orangemen“ inszenierten Pressekampagne wurde Pater Schulte bezichtigt, seine Missionstätigkeit in der Arktis zu nutzen, um Spionage für Hitler-Deutschland zu betreiben. Die Angriffe wurden so heftig, dass Schulte nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Kanada verließ. Er zog sich in die USA zurück - und hatte hier plötzlich Agenten der Bundespolizei FBI im Nacken, die den Spionagevorwurf aus Kanada weiter verfolgten.

Sein Orden und das FBI trafen schließlich eine Abmachung. Schulte sollte sich für die Dauer des Krieges in eine Art freiwillige Gefangenschaft begeben: In ein Kloster in Belleville (Illinois). Nicht nur, weil dieses Belleville heute Paderborner Partnerstadt ist und Schulte an der Gründung des dortigen großen Wallfahrtsortes „Our Lady of the Snows“ nicht ganz unbeteiligt war, sind seine Jahre in Amerika ein interessantes Thema. Schulte hat nach seiner Rückkehr aus den USA 1949 mehr als zwei Jahrzehnte in Paderborn gearbeitet – in Diensten des Bonifatiuswerkes der Deutschen Katholiken.

DAFK-Vorstandsmitglied Mitglied Wolfgang Stüken hat am 16. April in einem Vortrag des Freundeskreises über "Paderborner Spuren in Midwest" berichtet. Besondere Aufmerksamkeit fanden dabei seine Ausführungen über den „Fliegenden Pater“. Der Paderborner Altertumsverein bietet nun in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis am Dienstag, 14. Dezember einen vertiefenden Vortrag über Pater Paul Schulte an. Er trägt den Titel „Überwacht vom FBI“. Wolfgang Stüken konnte dafür eine Reihe von FBI-Akten aus dem US-Nationalarchiv in Washington auswerten. Auch dieser Vortrag wird bebildert sein. Er beginnt um 19.30 Uhr im Hörsaal 2 der Theologischen Fakultät am Kamp 6.

 

 
    02.12.2010

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